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Samstag, 16. Januar 2016

Jul, jul, strålande jul!

Dezember: Die Tage werden kürzer und kürzer. Die Sonne geht bereits um halb drei unter. Glücklicherweise beginnt endlich die Weihnachtszeit, denn die Schweden mögen die Dunkelheit ebenso wenig und schmücken was das Zeug hält! 
Weihnachtsbummel in Stockholm mit Lucia-Konzert (links) und Weihnachtsmarkt in Gamla Stan (rechts).
Für einen richtigen Weihnachtsmarkt müssen wir allerdings nach Stockholm fahren und können beim Bummeln durch die Stadt auch gleich noch die letzten Weihnachtsgeschenke einkaufen. Eher zufällig hatten wir unseren Stockholm-Besuch am Lucia-Tag geplant, dem 13. Dezember. In Schweden ist es Tradition, dass die Kinder in einer Art Prozession durch die Straßen ziehen und Weihnachtslieder singen, die Mädchen mit Kränzen und die Jungen mit spitzen Hüten auf dem Kopf. Ein Mädchen ist dabei als die Lucia verkleidet und hat eine Lichterkrone auf dem Kopf. Manche schwedische Weihnachtslieder haben es uns schon sehr angetan. Der Chor tat uns dann aber irgendwann doch etwas Leid, es war ziemlich kalt und wir waren nach dem Zuhören ganz schön durchgefroren und froh, dass wir uns in einem Cafe wieder aufwärmen konnten.
Erzgebirgische Weihnachtsstimmung in unserer Wohnung.
Zu Hause gab es eher deutsche Weihnachtstimmung mit Adventskranz, Schwibbogen, Pyramiden, Räuchermännl und dank großer Weihnachtspakete auch mit Stollen und Plätzchen. Wer aber auch ein bisschen schwedische Weihnachten erleben möchte, dem sei dieses schöne Lied empfohlen.

Ein goldener Herbst

Herbstlicher Blick vom Balkon und genug Gemüse für die nächste Woche - unsere wöchentliche Lieferung vom Biohof.

Wir hatten ja sehr große Angst vor dem Herbst. 2014 gab es im November weniger als 10 Sonnenstunden - im ganzen Monat! Darauf hatten wir wirklich keine Lust. Doch zum Glück waren uns die Wettergötter auch so spät im Jahr noch hold. Der September und Oktober waren wunderschön, mit viel blauem Himmel und relativ milden Temperaturen. Das haben wir für einige Erkundungstouren rings um Uppsala genutzt.

Der "Kung Björns Hög" bei bestem Herbstwetter
Neben den großen Grabhügeln in Gamla Uppsala gibt es westlich von der Stadt noch ein weiteres Hügelgrab in dem angeblich ein "König Björn" liegt (FunFact: "Björn" heißt im schwedischen "Bär"). Dort ist Uppsala zu Ende und es beginnt ein schönes Naturreservat mit wilden Wäldern. Wir genießen es sehr, dass man so schnell in die Natur kommt, denn die Natur hier in Schweden ist wirklich wild und schön.


Anfang Oktober gab es dann noch ein anderes Naturschauspiel. Der Sonnenwind war sehr aktiv und wir hatten wunderbare Polarlichter! Obwohl wir mitten in der Stadt waren, war über mehrere Stunden der ganze Himmel voll von wandernden grünen und weißen Schleiern. Die Fotos werden dem Ganzen natürlich nicht gerecht, aber sie geben zumindest einen kleinen Eindruck. Die Bilder sind direkt auf unserem Balkon entstanden, wo die Stadt sehr hell ist. Wie toll das Ganze erst außerhalb von Uppsala ausgesehen haben muss!
Grün und weiß, manchmal intensiver, manchmal schwacher, flackernd und wandernd, einfach wunderschön!

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Wir bewähren uns als Reiseleiter!

Pflichtbesuch in Stockholm! Während Kathas Eltern die Wasa bestaunen, sind wir im Nordiska Museet, ein Museum zur schwedischen Geschichte und Kultur.(Rechts: Die Blünchen-und-Bienchen-Geschichte mal anders dargestellt auf einem Wandteppich.)
Auch Kathas Eltern haben uns für ein paar Tage im Juli besucht. Wir hatten ein knackiges Programm vorbreitet: Am ersten Tag ging es nach Stockholm. Während wir Kathas Eltern ins Wasamuseum schickten, nahmen wir uns das Nordiska Museet vor (die Wasa hatten wir ja schon im April bestaunt). Das Nordiska Museet ist schon von der Architektur her ein bemerkenswertes Gebäude. Die Ausstellungen decken die schwedische Geschichte und Kultur ab, man könnte sicher Tage in dem Museum verbringen.
Stopp in Sigtuna zwischen Uppsala und Stockholm - die älteste noch bewohnte Stadt Schwedens mit alten Burgruinen und verträumten Gassen.
Auf dem Weg von Stockholm zurück nach Uppsala machten wir noch Halt in Sigtuna, einer hübschen Kleinstadt. Die historische Bedeutung der Stadt ist noch an den vielen Kirchruinen zu erahnen. Aber auch die Seepromenade und die verträumten Gassen sind den Ausflug wert.
Stadtführung durch Uppsala vorbei am historischen Universitätsgebäude Gustavianum (links), durch die Altstadt und durch den botanischen Garten. Die hohen Domspitzen sind ständige Begleiter.
Den zweiten Tag nutzten wir um Kathas Eltern unser neues Zuhause Uppsala zu zeigen. Schließlich hat Uppsala auch einiges zu bieten! Der Dom ist der höchste Skandinaviens und Bischofssitz der schwedischen Kirche. Die königliche (!) Universität gehört zu den bedeutensten des Landes und prägt nicht nur das Stadtbild sondern auch die Stadtkultur.
Bei einer Stadttour wird die Umgebung von Uppsala erkundet, mit gratis Kunstausstellung am Fluss.

Am Nachmittag unternahmen wir eine Radtour und besuchten unter anderem Gamla Uppsala. Das ehemalige Stadtzentrum liegt nun einige Kilometer vom Stadtkern entfernt. Einen Besuch wert ist es vor allem durch die eisenzeitlichen Hügelgräber und die alte Kirche mit tollen Innenmalerien.
Ziel der Radtour sind die Grabhügel aus der Eisenzeit in Gamla Uppsala.
Nach drei tollen Tagen fuhren Kathas Eltern zum Paddeln im Westen Schwedens, während wir uns wieder an die Arbeit machten.

Dienstag, 13. Oktober 2015

Durch Moore und Wälder auf dem Upplandsleden

Die Mission: Upplandsleden; Das Team: Katha, Johann und Stefan
Im Juli kommt uns Stefan für ein Wochenende besuchen. Mit im Gepäck die Wanderschuhe, denn er will ein bisschen raus in die Natur. Zum Glück braucht man in Schweden nicht weit fahren, um in der Natur zu sein. Bei uns in der Region um Uppsala (also in Uppland) gibt es einen Weitwanderweg, den Upplandsleden. Für das Wochenende mit Stefan haben wir uns eine Teilstrecke davon ausgeguckt.
Grün, grün und noch mehr grün! Die feuchte, moorige Gegend bietet bemooste Steine und grüne Wälder, aber auch Mücken ohne Ende.

Auch durch die Moore führt uns der Weg. Durch eine alternative Wegführung durchs Feld versuchen wir die öde Strecke entlang der Landstraße zu umgehen (rechts).


Der Upplandsleden führt uns über Stock und Stein durch den Wald, aber auch über Holzstege durch Moore. Ziel ist eine Hütte mitten im Wald, die für Wanderer zum Übernachten offen steht. Zum Abendbrot gibt es Würstchen, Pizza und Marshmallows über dem Lagerfeuer gegrillt. Wir plaudern noch eine Weile mit ein paar anderen Wanderern und schlafen dann auf den bequemen Matratzen.
Übernachtet wird in dieser luxuriösen Hütte mit Holzofen, Doppelstockbetten und Lagerfeuerplatz.
Am Sonntag erreichen wir wieder Uppsala und machen auf dem Weg nach Hause noch beim Bäcker halt. Schließlich muss Stefan doch noch die schwedische Tradition "fika" kennen lernen bevor er am Abend wieder nach Deutschland fliegt.
Zum Abschied gibt es ganz typische schwedisch noch Fika - Kaffee und Gebäck - auf unserem Balkon.

Endlich Sommer


Früchte der Arbeit: Unser Vorrat für die kalten Monate ist gesichert!
Die erste Juli Woche ist endlich Sommer! Die kurzen Hosen und Röcke kommen zum Einsatz und am Wochenende geht es mit dem Fahrrad an den See zum Baden. Auf dem Erdbeerfeld packt uns der Übereifer und wir pflücken viel zu viele Erdbeeren und wissen zu Hause erst einmal gar nicht wohin mit der reichen Beute. Die Kühltruhe ist nun auf jeden Fall gut gefüllt für den Winter. Doch nach der wunderschönen Sommerwoche folgt ein Schock: der restliche Juli ist verregnet und es werden maximal 15 Grad. Das soll es gewesen sein mit dem Sommer? Auch unsere einheimischen Kollegen sind nicht gerade angetan von dem Wetter, zeigen sich aber auch nicht sonderlich überrascht. Immerhin waren wir einmal im See baden...









Unser kleiner Gemüsegarten auf dem Balkon.
Doch dann kommt der August und doch noch ein paar schöne sonnige Wochen. Während über Deutschland eine Hitzewelle nach der anderen rollt, sind es bei uns maximal 25 Grad. Das schreit zwar nicht nach kurzen Hosen aber ist doch ganz angenehm. Und trotz des miesen Wetters im Juli gedeiht unser Balkongemüse ganz gut. Immerhin gibt es Tomaten, Radieschen, Salat, Gurken und Zucchini!
Überhaupt versuchen wir den Sommer zu konservieren: Im Wald sammeln wir Blaubeeren und aus den Holunderblüten vor unserer Haustür brauen wir leckeren Sirup.

In der Uni geht über den Sommer alles etwas gemütlicher. Schon ab Mittsommer leeren sich die Büros und im Juli und August ist fast beängstigende Stille in den Korridoren. Auch auf den Straßen merkt man, dass die Studenten und auch viele andere Uppsalaer im Urlaub sind. Entspannter arbeiten geht nicht!

Samstag, 25. Juli 2015

Valborg - Schwedische Traditionen Teil 1

Schon sehr früh wurde uns bewusst, dass der 30. April - auf schwedisch "Valborg" - in Uppsala eine wichtige Rolle spielen muss. Von Kollegen wurden wir aufgeregt gefragt, ob wir dieses Jahr das erste mal ein Valborg in Uppsala erleben, und nach dem Bejahen ernteten wir gewichtiges Kopfnicken und vielsagende Blicke. So waren wir doch sehr gespannt.

Dass Valborg in Uppsala etwas anders gefeiert wird als sonst auf der Welt, hat natürlich mit den Studenten und ihren verrückten Ideen zu tun. Aus einer dummen Wette vor 40 Jahren hat es sich inzwischen zur Tradition entwickelt mit selbst gebauten Floßen den Fyris-Fluss durch Uppsala runterzupaddeln und dabei auch die beiden Wehre zu überwinden.

Schon die Woche vor Valborg findet dazu ein "Floßfestival" gleich bei unserem Campus statt. Am Tag werden von den über hundert Teams die Floße gebastelt. Am Abend spielen jeden Abend Livebands und es gibt günstiges Bier. Im Bierzelt kommt fast ein wenig Dorffest-Atmosphäre auf, auch wenn selbst die besten Bands die Studenten nicht von den Bierbänken runterlocken können.
Links: Man nehme mehrere Klötze Styropor, ein wenig Holz und bunte Farbe, fertig ist das Floß. Rechts: Stimmung im Festzelt.
  
Traditionell gibt es an Valborg zum Frühstück Erdbeeren und Sekt (die Schweden lieben Erdbeeren, wahrscheinlich weil die Früchte sie an den Sommer erinnern, auf den man in Schweden so vergeblich wartet). Ab um zehn starten die ersten Floße. Wer einen guten Platz am Fluss ergattern möchte, muss allerdings schon deutlich früher kommen. Die gesamte Flusspromenade ist überfüllt von Erdbeeren essenden und Sekt trinkenden Schweden.
Links: Blick von unserem Balkon gegen halb neun. Rechts:Wer einen guten Platz haben will muss früh da sein.
Für die Teams in den Floßen sind allerdings die Wehre nicht die einzige Gefahr: Auch untereinander wird sich gern mit Wasserpistolen und -bomben beschossen, natürlich unter großen Gejohle des am Ufer stehenden Publikums. 
Nass werden sie alle...
In Anbetracht der Bauweise einiger Floße ist es doch beachtlich wie viele tatsächlich die beiden Wehre mehr oder weniger unbeschädigt hinunterkommen.
Der Höhepunkt ist natürlich die Fahrt über die Wehre.
Der eigentliche Höhepunkt von Valborg findet Nachmittags um drei statt. Schon mehrere Wochen vorher zählt eine digitale Uhr an der Fassade der historischen Unibibliothek die Sekunden und Stunden zu diesem wichtigen Ereignis runter. Ganz Uppsala, mehrere tausend Leute, versammeln sich also vor dem Gebäude und warten darauf, dass die Vizekanzlerin der Universität auf den Balkon der Universitätsbibliothek tritt, mit ihrer weißen Kappe winkt und damit den Frühling begrüßt. Jetzt fragt ihr euch sicher "Ja ... und dann?" Zumindest haben wir uns das gefragt. Aber das war es auch wirklich schon.  
Es ist offiziell: Der Frühling ist da.
Nachdem ganz offiziell der Frühling begrüßt wurde, gibt es unterschiedliche Konzerte mit traditionellen Frühlingsliedern und am Abend werden überall in der Stadt große Valborgsfeuer entzündet. Und natürlich werden dabei wieder jede Menge Erdbeeren gegessen und Sekt getrunken. Für die meisten Studenten endet der Tag dann mit einem großen Saufgelage, schließlich muss ja gefeiert werden, dass es endlich, endlich Frühling ist. Selbst wenn es in der Nacht zum 1. Mai nochmal schneit (wie 2014 geschehen).

Samstag, 4. Juli 2015

Umzug auf zwei Rädern

Kaum in der ersten Wohnung eingelebt, habe ich angefangen Wohnungen zu suchen für unsere Zeit ab Ende März. Bekannte und Kollegen haben mir schon etwas Angst gemacht, wie schwer die Wohnungssuche in Uppsala sei. Die Wohnverhältnisse sind hier im Allgemeinen etwas anders organisiert als in Deutschland: Es gibt eine handvoll Wohnungsgesellschaften, die Wohnungen ziemlich günstig vermieten. Deswegen sind diese Mietwohnungen sind aber sehr beliebt und es gibt Wartelisten, je nach Lage zwischen 3 bis zu stolze 8 Jahre (kein Witz!).

Wenn man sich an der Uni umhört, wohnen viele bei Verwandten oder in der Eigentumswohnung, zu der die Eltern finanziell mit beigetragen haben. Ohne reiche Verwandte oder mehreren Jahren auf der Warteliste für eine Wohnung kann man nur von Privatleuten mieten. Aber auch da ist der Markt ganz schön verrückt. Ich habe teilweise alle 10 Minuten die Seite mit den Anzeigen gecheckt um auch ja noch unter den ersten 20 Emails sein und habe trotzdem nur von wenigen zurück gehört.

Schließlich hat es tatsächlich geklappt und wir haben eine Zusage für eine kleine schnuckelige Wohnung bekommen, direkt am Stadtzentrum mit Balkonblick auf den Fluss. Von Kollegen habe ich dafür ungläubige Gesichter geerntet und vorsichtiges nachfragen, ob wir sicher wären, dass es auch ja kein Betrugsversuch ist.

Ende März hieß es dann also Umziehen. Da wir ja noch nicht so viele Sachen ansammeln konnten, planten wir den Umzug mit den Fahrrädern. Zweimal ging es mit vollbepacktem Trekkingrucksack zwischen den Wohnungen hin und her, einmal leisteten wir uns das Busticket um auch die großen Koffer zu transportieren. Ein paar neue Möbel mussten wir uns auch kaufen - bei IKEA natürlich :)

Links: Der Transporter vor der Abfahrt in Dessau, und rechts: Der Inhalt des Transporters in unserem Wohnzimmer. 
Endgültig wurde unsere Wohnungseinrichtung komplettiert als Johanns Eltern mit Transporter aus Dessau nach Uppsala kamen und unser Hab und Gut mitbrachten. Trotz anfänglicher Zweifel haben wir den Inhalt aller Kisten in unserer Wohnung verstauen können (zum Glück gehören zur Wohnung noch zwei Abstellkammern im Keller).

Sonntag, 26. April 2015

März - Es hat sich ausgewintert!

Ende Februar ist Johann wieder abgereist. In Leipzig wollte noch eine Masterarbeit verteidigt werden. Zum Glück war die Trennung nur für kurze Zeit, denn nach 10 Tagen sollte er schon wieder nach Uppsala kommen.
An dem Wochenende ohne Johann konnte ich mich ablenken: Zwei Kollegen aus meiner Arbeitsgruppe hatten spontan beschlossen zum letzten Wettkampftag der Ski-WM zu fahren, die dieses Jahr in Falun stattfand, etwa 2 Autostunden von Uppsala entfernt. Auf dem Bild unten seht ihr Sven (mein Arbeitsplatznachbar, hat seinen PhD auch erst im Herbst angefangen), Lucie (eine Forscherin aus Tschechien, die für ein paar Monate in unserer Arbeitsgruppe gearbeitet hat) und mich mit dem WM-Gelände im Hintergrung. An diesem letzten Wettkampftag war die 50km-Strecke im Langlauf der Männer geplant und sowohl ein Tscheche als auch ein Schwede waren ganz oben unter den Favoriten. Genau zum Startschuss fing es natürlich an zu schneien und während sich die Läufer durch den Neuschnee kämpften, bibberten wir auf den Stehtribünen um alle 15 Minuten der vorbeifahrenden Traube von Langläufern zu zu jubeln. Am Ende gewann zwar ein Norweger, aber auch der Tscheche und der Schwede ergatterten sich in dem spannenden Endspurt ein Platz auf dem Treppchen. (Die deutschen Langläufer wurden leider schon in der ersten Runde abgehängt.)
Mit zwei Kollegen bei der Ski-WM in Falun. Für zweieinhalb Stunden schauen wir den Männern beim 50km Langlaufrennen zu.
In der Woche darauf kann man es nicht mehr leugnen: Der Schnee auf den Gehwegen und den Rasenflächen wird immer weniger und tatsächlich kann ich in der ersten Märzwoche erkennen, dass es in unserem Vorgarten eine Rasenfläche, einen Kiesweg und auch kleine Blumenbeete an der Hauswand gibt. Und bald zeigen sich auf jenen Beeten auch die ersten Schneeglöckchen! Die ersten Frühlingsvorboten. Beim nächsten Stadtspaziergang mit Johann ist die Stadt schon so gut we schneefrei.
Anfang März schmilzt der Schnee in Uppsala. Noch sind die Bäume kahl, aber die Flusspromenade und die Burg sind auch ohne weiße Decke einen Spaziergang wert.

Dienstag, 21. April 2015

Wie alles Begann

Mitte Januar beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt. Der Master ist in der Tasche und es heißt Leipzig - meine Heimat der letzten 5 Jahre - den Rücken zu zu kehren. Vielen Dank an Elli, Manu und Johann, dass ihr mich am Bahnhof verabschiedet habt! Der Abschied fiel nicht leicht. So viel Ungewisses, das da auf mich wartete. Wird jemand bei der Wohnung sein, um mir den Schlüssel zu geben, wie vereinbart? Oder war die Anzeige nur ein Betrug, so dass ich die ersten Nächte statt dessen in der Jugendherberge übernachten muss? Wie werde ich wohl in der neuen Arbeitsgruppe aufgenommen werden? Was, wenn ich mein neues Forschungsthema nun doch gar nicht spannend finde? Hätte ich lieber doch einfach in Leipzig bleiben sollen?

Schon bald nach der Ankunft in Schweden haben sich die Ängste und Sorgen in Luft aufgelöst! Als ich, in Schweden angekommen, die Nummer anrufe meldet sich tatsächlich die Mutter unseres Vermieters (er ist für 3 Monate in Thailand und vermietet deswegen seine Wohnung - an Johann und mich) sogar in ziemlich gutem Englisch. Die erste Hürde, die ich bewältigen muss, ist der Weg vom Bahnhof Uppsala zur Wohnung. Einen nicht enden wollenden Kilometer lang wünschte ich, ich hätte nicht so viel Gepäck mitgenommen. Es ist dunkel, die Wege sind zugeschneit und glatt. Mit viel Schlittern und Rutschen schaffe ich es bis zur Haustür mit allen Gepäckstücken! Hinter der Adresse vebirgt sich ein zweistöckiges Holzreihenhaus mit Weihnachtsbeleuchtung am Eingang. Auch sonst finden sich in den meisten Fenstern große weiße Papiersterne und Pyramiden mit weißen Lichtern und jeder zweite Balkon hat eine Lichterkette am Geländer. Da kommt richtige Weihnachtsstimmung auf!
Im mittleren Haus unten rechts habe ich von Januar bis März gewohnt.
Die Wohnung ist sehr gemütlich. Ein wenig komm ich mir wie in einer IKEA-Ausstellungswohnung vor. Für die ersten Monate ist die Wohnung perfekt! Sie ist komplett ausgestattet, ich muss mich um nichts kümmern. Auch von der Lage liegt sie zwischen Innenstadt und Institut (welches etwas Außerhalb vom Stadtkern liegt), sodass ich die ersten Wochen auch ohne weite Wege die Anmeldung in Schweden und - ganz wichtig - ein Fahrrad organisieren kann. Zum Glück ist Uppsala ähnlich wie Leipzig eine Fahrradstadt. Die Innenstadt hat mehr Fahrradbügel als Parkplätze. Nach zwei Wochen in Uppsala gehe ich endlich nicht mehr zu Fuß auf Arbeit, stattdessen fahre ich mit einem hippen pinken Männerrad durch die Straßen - Natürlich mit richtigen Winterreifen!

Uppsala selber hat uns im Oktober zu unserem kurzen Besuch zum Bewerbungsgespräch ja schon sehr gefallen. Auch im Schnee ist es wunderschön! Ein Bild zeigt die Domtürme im Abendrot leuchten. Für Spaziergänge eignet sich die Uferpromenade duch die Stadt.
Das eingeschneite Uppsala mit den Domspitzen im Abendrot.
Die Kunst im Schneemannbauen wird hier in sämtlichen Vorgärten geübt, sobald frisches Baumaterial zur Verfügung steht.
Auch in der Uni finde ich mich schnell zurecht. Für meinen Betreuer, Jonathan, bin ich die erste PhD-Studentin. Er ist sehr nett und hat mir in der ersten Wochen geholfen die wichtigsten Dinge zu organisieren. Die Ausbildung zum Doktor ist hier mehr strukturiert als in Deutschland. Zum Einen muss ich eine bestimmte Anzahl an Kursen besuchen. Zum Anderen hat die Betreuung einen höheren Stellenwert und die Qualität der Doktorandenasubildung geht in die Evaluation der verschiedenen Departments ein. Die Arbeitsgruppen sind also sehr motiviert ihren Doktoranden eine gute Ausbildung zu ermöglichen.

Die ersten Wochen heißt es erst einmal viel Literatur zu lesen. Das Thema ist sehr neu für mich. Ich habe weder Erfahrung mit Solarzellen noch mit dem Material, an dem ich die nächsten 5 Jahre forschen werde. Da zu meiner Ankunft Mitte Januar gerade das Frühlingssemester beginnt, kann ich schon einige Kurse belegen. Es gibt zum Beispiel einen Einführungskurs für alle neue Doktoranden der Natur- und Ingenieurwissenschaften. Neben einigen Labervorlesungen ("Wann wird Wissenschaft zu Pseudowissenschaft?") wird auch die Struktur der Uni und was es heißt, Arbeitnehmer in Schweden zu sein, erklärt. Man glaubt gar nicht, wie kompliziert es ist, in einem neuen Land Fuß zu fassen, selbst wenn es nur ein Umzug von Deutschland nach Schweden ist. Plötzlich stiften die Vorstellungen zu Krankenversicherung und Steuererklärung nur Verwirrung. Auch ein Sprachkurs beginnt wenige Wochen nach meiner Ankunft. Allerdings habe ich außerhalb vom Sprachkurs nicht viel Möglichkeiten zum Üben. Die Schweden machen es einem wirklich schwer mit ihrem guten Englisch!
Das moderne Ångström Laboriet - Hinter dem zweite Fenster von links im ersten Stock ist mein Arbeitsplatz. Das gesamte Erdgeschoss rechts vom Eingang beherbergt einen von Skandinaviens größten Reinraumen. Dort produzieren wir auch unsere Solarzellen. 











Mitte Februar kommt mich Johann besuchen. Seine Masterarbeit ist fertig und bis zur Verteidigung hat er ein paar Tage frei. An den Wochenenden unternehmen wir gemeinsam ein paar Winterspaziergänge in Uppsala und Umgebung. Die Temperaturen sind nur kanpp unter null und Uppsala ist weiterhin ganz weiß.
Mit Johann am See im Süden von Uppsala. Leider ist es diesen Winter nicht kalt genug um auch über den See zu laufen.
Spaziergang im Stadsskogen ("Stadtwald").